Konzept: Deutsch
ArbeitsTitel: SHOAH
Einführung
Der Kölner Medienkünstler Wilfried Agricola de Cologne realisierte in den Jahren 1993-1998 sein künstlerisches Mahnmalprojekt – A Living Memorial – Mahnmal gegen das Vergessen, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus, welches unter der Schirmherrschaft von Ignatz Bubis, dem Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland
–>http://www.a-virtual-memorial.org/bubis/inmemoriam.htm – stehend ab 1995 in 43 Ausstellungsinstallationen in Polen (u.a. Auschwitz, Majdanek, Krakau), Tschechische Republik (Theresienstadt) und Deutschland (u.a.Berlin, Hamburg, Köln, Hannover, Leipzig, Düsseldorf) durchgeführt wurde
–>http://www.a-virtual-memorial.org/bubis/documentation.htm
Nachdem er sich im Jahre 2000 dafür entschieden hatte, als Künstler ausschließlich mit neuen Medien zu arbeiten, führte er den Gedanken des Mahnens und Gedenkens u.a. in seinem Internet basierten Medienkunstprojekt „A Virtual Memorial – Mahnmalprojekt gegen das Vergessen und für die Menschlichkeit“ als fortlaufendes Projekt bis in diese Tage fort- http://www.a-virtual-memorial.org .Wie wenig andere Künstler, hat Agricola de Cologne den Gedanken des Gedenkens als Antriebsfeder zum Erschaffen von zeitgenössischer Kunst mittels neuer Medien praktiziert, wobei der Aspekt „Videokunst“ einen breiten Raum einnimmt, sowohl in seiner Arbeit als Künstler, wie als Kurator im Bereich von Medienkunst.
Das Ausstellungsvorhaben
–>Historischer Kontext
Der Fall der Berliner Mauer (1989) war in vielerlei Hinsicht ein epochales Ereignis. Ohne dessen, darin sind sich die Fachleute einig, wäre die Geschichte des Holocausts, des Völkermords an Juden, aber auch Sinti und Roma und viele andere Nazi Verfolgter ins Vergessen geraten, weil irgendwann die letzten Überlebenden gestorben wären, und authentische Erinnerung durch „begreifbare Dokumente“ hätte nicht forttradiert werden können Mit dem Fall der Mauer ist vielmehr das Gegenteil davon eingetreten, denn durch die nun zugänglichen Gedenkstätten im Osten Deutschland und Europas setzte eine allgemeine Sensibilisierung und Wiederbesinnung auf diesen Teil europäischer Geschichte ein, was wiederum zur Folge hatte, dass auch die Gedenkstätten im Westen Deutschlands und Europas von dem neuen Auftrieb profitierten, so daß die Geschichte der Nazis und ihrer Verbrechen einen Platz im allgemeinen Bewußtsein bekam. Seit dem Fall der Mauer und der damit verbundenen Freiheit des Reisens innerhalb Europas kann jeder Besucher, ob von Dachau, Theresienstadt oder Auschwitz mit den Händen und Sinnen erfassen, was die industrielle Vernichtung von Menschenleben, wie es die Nazis betrieben, zu bedeuten vermag, auch wenn es sich gänzlich der menschlichen Vorstellungskraft entzieht. Nun bestehen aber gute Chancen, dass die Erfahrung mit der Nazi-Geschichte , die ja kein ausschließliches deutsches Phänomen, sondern vielmehr ein Teil europäischer Geschichte ist, an all die folgenden Generationen weiter getragen werden können. Das ist in Kürze der historische Ansatz des Videokunstprojekts.
Konzept
Anders als die statischen analogen Medien wie Malerei oder Fotografie, eignet sich das bewegte Bild zu einer mehrdimensionalen künstlerischen Darstellung und damit eher dazu, innere und äußere Prozesse darzustellen, zudem stellt Video das Ausdruckmittel der heutigen Generationen dar.
Der Fokus ist erst einmal auf das Medium Video gerichtet, optional läst sich dies aber auch auf andere digitale Kunstformen, wie Multimedia, sowie Installationen ausbauen, welche unterschiedliche Medien in sich vereinigen.
Das Konzept sieht vor, Künstler der Nachkriegsgenerationen bis zum heutigen Tage, die im Bereich Video und neue Medien arbeiten, einzubeziehen, dazu gehört insbesondere die jüngste Generation, die sich als Studenten noch in Ausbildung an Kunsthochschulen befindet.
Es ist also daran gedacht, auf der einen Seite professionelle Künstler, auf der anderen Seite Hochschulen zur Mitarbeit und über sie Studenten aus aller Welt, insbesondere aus Israel, den USA und den europäischen Ländern (aber auch darüber hinaus) zur Teilnahme einzuladen.
Inhaltlich schließen sich dabei Fragen an, z.B. wie Künstler, die weder Verfolgung durch die Nazis, noch die Vernichtung von Juden miterlebt haben, seit dem Endes des 2. Weltkriegs, also mit fortschreitenden zeitlicher und räumlicher Entfernung mit diesen Ereignissen umgehen, welche Bedeutung diese für sie persönlich, oder der Gesellschaft oder Nation, in der sie leben und deren Geschichte haben, und welchen Bezug es zu aktuellen Ereignissen gibt, und mit welchen darstellerischen Mitteln sie diese eigenen Erkenntnisse künstlerisch umsetzen.
Es geht bei dem Ausstellungsvorhaben also nicht darum, einen weiteren zum Scheitern verurteilten Versuch zu unternehmen, den Holocaust zu visualisieren, diesmal mit neuen Medien darzustellen, es soll auch keine allgemeine Aussage getroffen werden, sondern wie es der Begriff „Shoah“ zeigt, bezogen auf die Vernichtung von Juden, und die Problematik ihrer Geschichte bis in diese Tage.
Zur Anwendung sollen ausschließlich Videoarbeiten kommen, die zeitlich nach dem Fall der Berliner Mauer entstanden oder produziert wurden, also Arbeiten, die unter dem Eindruck der großen Umwälzungen nach dem Fall der Mauer und der zeitgleich stattfinden Digitalisierung auch in den Kunstformen zeitgenössischer Kunst entstanden sind, und Arbeiten, die speziell für den Anlaß des Projekts erst produziert werden.
Als Ausstellung zeitgenössischer Kunst richtet sich das Vorhaben an ein offenes und reflektierendes Publikum, welches bereit ist, mittels begleitender Veranstaltungen die Auseinandersetzung mit dem Thema und den künstlerischen Arbeiten zu vertiefen.
Das Ausstellungsprojekt der Videokunst soll zuerst in Deutschland (provisorisches Datum Herbst 2010 oder 2011), um danach in anderen europäischen und außereuropäischen Staaten gezeigt zu werden, wobei „Networking“ als Form internationaler Zusammenarbeit Im Rahmen der Strukturen des [NewMediaArtProjectNetwork]||:cologne – www.nmartproject.net – praktiziert werden soll.
Das Ausstellungsvorhaben wird durch Wilfried Agricola de Cologne, dem Gründer und Leiter dieses globalen Netzwerks konzeptionell entwickelt und kuratorisch und organisatorisch betreut und koordiniert.
Es soll durch Einbeziehung öffentlicher und privater Förderer auf nationaler und europäischer Ebene finanziert und realisiert werden.
–> links
A Virtual Memorial – memorial project environments
[NewMediaArtProjectNetwork]:||cologne












